"Kommunal.Digital.Genial": Preise für digitale Teilhabe älterer Menschen

Im Rahmen des 14. Deutschen Seniorentags wurden die Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs "Kommunal.Digital.Genial" ausgezeichnet. Sechs Mitgliedstädte des Deutschen Städtetages erhielten Preise: Bremerhaven, Frankfurt am Main, Kempten (Allgäu), Kiel, Nürnberg und Recklinghausen.
Bundesministerin Lisa Paus und Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Stiftungsrats der Commerzbank-Stiftung, überreichten die Preise an insgesamt elf Kommunen, die mit ihren innovativen Konzepten zur digitalen Teilhabe älterer Menschen besonders überzeugten. Der Wettbewerb wurde vom DigitalPakt Alter durchgeführt. Das Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro wurde von der Commerzbank-Stiftung zur Verfügung gestellt.
Nicht nur Verwaltungsleistungen werden immer häufiger digital angeboten, auch andere kommunale Angebote finden vermehrt im digitalen Raum statt. Die prämierten Projekte zeigen die Bandbreite an innovativen Lösungen, die auf lokaler Ebene entwickelt werden können: Von barrierefreien digitalen Beratungsstellen über generationenverbindende Unterstützungsangebote bis hin zu interaktiven Plattformen, die den gesellschaftlichen Austausch und die soziale Teilhabe fördern. Die ausgezeichneten Kommunen sind bundesweit verteilt. Neben den sechs Mitgliedstädten des Deutschen Städtetages erhielten auch die Landkreise Lörrach und Uckermark, der Werra-Meißner-Kreis sowie die Städte St. Ingbert und Kreuztal Preise.
Kategorie 1 – Konzepte und Strategien
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Landeshauptstadt Kiel
Landeshauptstadt Kiel
Smartes und altersgerechtes Wohnen im Quartier (Smart Altern)
Das Projekt "Smartes und altersgerechtes Wohnen im Quartier" zielt darauf ab, älteren Menschen durch den Einsatz von AAL-Technologien (z. B. Sensoren zur Sturzerkennung) in ihren Wohnungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Zudem dient die Technik der Entlastung von Pflegekräften.
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Förderung sozialer Kontakte durch einen Begegnungsraum im Quartier. Dieser Treffpunkt für den nachbarschaftlichen Austausch bietet Raum für Schulungen und Informationsveranstaltungen sowie für Demonstrationen mit AAL-Systemen. Eine permanente Ausstellung informiert über die Möglichkeiten dieser Systeme.
Die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Kieler Projekt werden in einem Leitfaden dokumentiert, um das gewonnene Wissen an andere Kommunen und Wohnungsmarktakteure weiterzugeben.
Kategorie 2 – Beispiele guter Praxis
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Stadt Kempten (Allgäu)
Stadt Kempten (Allgäu)
Digitale Teilhabe für ältere Menschen im Altstadthaus
Fünfsäuliges Konzept zur digitalen Teilhabe Älterer mit speziellen Lernkonzepten, getragen durch ehrenamtliches Engagement.
- Säule 1 "Digitale Einlage": Analoge Wissensvermittlung mit dem Print-Programm des Altstadthauses in einfacher Sprache für Personen ohne Erfahrung. Unterschiedliche Themen (z.B. QR-Code scannen, Deutschlandticket digital, E-Mail, e-Rezept etc.).
- Säule 2 "Digitale Grundkurse": Kurse zu allgemeinen, vertieften und speziellen Anwendungen (Android, iOS, Google Maps, WhatsApp etc.), gehalten jeweils von einem ehrenamtlichen Experten und zwei Ehrenamtlichen.
- Säule 3 "Kooperationen": Intergenerationelle Angebote und Forschung der Hochschule Kempten zu Lücken in der digitalen Teilhabe älterer Menschen.
- Säule 4 "Digitale Sprechstunde": Individuelle Betreuung im Altstadthaus oder dezentral in den Stadtteilquartieren.
- Säule 5 "Internet-Café": kostenlose Leihgeräte, Personal des Altstadthauses steht bei Fragen ganztägig zur
Verfügung.
Kategorie 3 – Vernetzungsprojekte
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Stadt Bremerhaven
Stadt Bremerhaven
Netzwerk Digitalambulanzen Bremerhaven
Das Netzwerk Digitalamulanzen startete im 2020 als Vorhaben des Landes Bremen in Kooperation mit zahlreichen Institutionen. Es war eines von 13 regionalen Open Government Labs des BMI. Im Jahr 2023 wurde das Netzwerk in Bremerhaven zur Überbrückung mit Landesmitteln gefördert. Seit dem 01.06.24 ist es durch die Einrichtung einer Stelle im Sozialreferat des Magistrats Bremerhaven verstetigt. Ziel ist es, möglichst vielen älteren Menschen die Möglichkeiten der digitalen Teilhabe durch flächendeckende, wohnortnahe und bedarfsgerechte Lern- und Beratungsangebote zu eröffnen. Durch die Verstetigung kann das stetig wachsende Netzwerk und die strukturierte Zusammenarbeit mit den Partnern dauerhaft gesichert, fortgeführt und zielgerichtet weiterentwickelt werden. Die Kooperationspartner bieten mittlerweile zahlreiche digitale Lernangebote in den jeweiligen Stadtteilen und in unterschiedlichen Formaten wie Kursen, Sprechstunden und Treffen an.
Die im ursprünglichen Projekt erprobten vielfältigen Angebotsformen für unterschiedliche Zielgruppen werden nachhaltig genutzt, um älteren Menschen unabhängig vom Hintergrund den Zugang zu digitalen Anwendungen und Angeboten zu ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es, digitale Unterstützungsangebote in kleinräumigen Quartieren an bekannten Orten anzubieten und bekannt zu machen. Für die Begleitung der Angebote werden zunehmend Ehrenamtler gewonnen, die kostenlos geschult werden.
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Stadt Frankfurt am Main
Stadt Frankfurt am Main
Frankfurter Plattform 55+
Die Stadt Frankfurt am Main hat – in Abstimmung mit dem Seniorenbeirat – die VHS damit beauftragt, ein städtisches Netzwerk aus Akteurinnen und Akteuren der Seniorenbildung und -beratung aufzubauen und u. a. eine zentrale Internetplattform umzusetzen, die alle Bildungsangebote für Senior:innen versammelt. Zur Kick-off-Veranstaltung im Februar 2022 kamen mehr als 40 Akteurinnen und Akteure, 12 haben sich bei der Umsetzung der Plattform bis zum Start regelmäßig beteiligt. In zahlreichen Treffen wurden die Anliegen der Zielgruppe diskutiert, Ideen sowie notwendige Anforderungen gesammelt, priorisiert und im Hinblick auf die Zielgruppe angepasst. Mithilfe eines ext. Dienstleisters konnten wir im Netzwerk den ersten Prototyp testen, bewerten und verfeinern. Nach einer Umbenennung ging die "Frankfurter Plattform 55+" im Juni 2023 live.
Die frankfurter-plattform-55plus.de bündelt eine Vielzahl von Bildungs- und Beratungsangeboten für ältere Menschen: "Bildung & Begegnung", "Beratung & Hilfe" u. "Netzwerk". Die Website ist nutzerfreundlich, größtenteils barrierefrei u. dynamisch, die Zahl der Anbietenden und der Angebote wächst ständig. Nutzende haben umfangreiche Such- u. Filtermöglichkeiten, u. a. Datum, Uhrzeit, Zeitraum, Kosten, Entfernung vom
Standort/Stadtteil (ohne, 1, 3 und 5 km) usw.
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Stadt Nürnberg
Stadt Nürnberg
Wege in die digitale Welt für Ältere
Bereits 2019 ergab eine Befragung, dass ca. ein Drittel der ab 60-Jährigen Nürnbergerinnen und Nürnberger das Internet nicht nutzt. Ziel war es deshalb, Offlinern Chancen für einen möglichst niedrigschwelligen Zugang in die digitale Welt zu bieten. Bei "Erste Schritte mit Smartphone/Tablet im 1:1-Tandem" begleitet eine Digitallotsin/ein Digitallotse jeweils eine Seniorin bzw. einen Senior individuell unter Berücksichtigung des Lerntempos und der Lernziele. Kostenfreie Leihgeräte erlauben ein unverbindliches Ausprobieren. Danach kann das Gerät erworben werden. Ein weiteres Ziel war die Schaffung niedrigschwelliger Angebote für Ältere, die bereits digital unterwegs sind, jedoch gerne ihre Kompetenz ausbauen möchten. In Digital-Sprechstunden/Digital-Cafés können sie Fragen klären und Neues kennenlernen. Digitallotsinnen und -lotsen unterstützen nach Bedarf.
Um diese Angebote stadtweit zu realisieren, wurde das Projekt von Anfang an konzipiert als Vernetzungsprojekt des Seniorenamtes, des Fördermittelgebers Fürst, den über 75 ehrenamtlich engagierten Digitallotsinnen und -lotsen, den 19 Nürnberger Seniorennetzwerken und den in den Quartieren engagierten 35 Akteuren. 2021 gestartet mit 13 Digitallotsinnen und -lotsen, der Vermittlung von 1:1-Tandems zentral durch das Projektteam und dem ersten Digital-Café, gibt es heute in allen Seniorennetzwerken Angebote. Insgesamt haben Ältere in Nürnberg im Monat zurzeit über 70 Termine in verschiedenen Digitalsprechstunden und Digitalcafés zur Auswahl. Die Treffen in den 1:1-Tandems nicht mitgerechnet!
Sonderpreis
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Sozialer Dienst Recklinghausen
Stadt Recklinghausen
Soziale Beratungsleistungen Hausbesuchsdienst
Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Fachbereichs Soziales und Wohnen der Stadt Recklinghausen setzen sich aktiv dafür ein, älteren Menschen den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern. Im Rahmen von Hausbesuchen unterstützen sie Seniorinnen und Senioren dabei, technische Geräte wie Smartphones, Tablets und Computer besser kennenzulernen und sicher zu bedienen. Zusätzlich bringen die Mitarbeitenden ihre eigenen Laptops mit Internetverbindung mit, um den Bürgerinnen und Bürgern direkt vor Ort bei digitalen Anträgen zu helfen. So wird sichergestellt, dass auch ältere Menschen, die vielleicht keinen eigenen Internetzugang haben, wichtige Online-Formulare ausfüllen und Anträge stellen können. Ob es um die Beantragung sozialer Leistungen, die Anmeldung zu kulturellen Angeboten oder die Nutzung von Online-Diensten der Stadt geht – die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stehen unterstützend zur Seite. Durch diese individuelle Hilfe fördern sie die digitale Teilhabe und Selbstständigkeit der älteren Generation und tragen so zu einer besseren Lebensqualität bei.
Über den DigitalPakt Alter
Der DigitalPakt Alter ist eine Initiative zur Stärkung von gesellschaftlicher Teilhabe und Engagement älterer Menschen in einer digitalisierten Welt. Initiiert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen – wurde er im August 2021 gegründet. Seither wächst das Netzwerk aus Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stetig weiter. Seit Dezember 2023 gehören auch sämtliche Bundesländer dazu. Bis Ende 2025 werden 300 Erfahrungsorte gefördert, um ältere Menschen beim Aufbau und Ausbau digitaler Kompetenzen zu unterstützen. Weitere Informationen