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17.03.2015

Abgabe von Kunst aus öffentlichem Eigentum – ICOM-Standards anwenden

Der Hauptausschuss des Städtetages hat sich zur Frage der Abgabe von Kunst aus öffentlichem Eigentum positioniert. Danach sind geordnete Verfahren zu wählen und die Standards des Internationalen Museumsrates – International Council of Museums (ICOM) – zu beachten.

Die in nordrhein-westfälischem Landesbesitz befindliche WestSpiel GmbH hat zwei Objekte von Andy Warhol versteigern lassen. Inzwischen steht die Kunstsammlung der ebenfalls landeseigenen Portigon, Nachfolgegesellschaft der WestLB, mit rund 400 Objekten ebenfalls in der Diskussion zur Veräußerung.

In dieser, die Städte in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus unmittelbar betreffenden Lage, haben sich sowohl der Vorstand des Städtetages Nordrhein-Westfalen als auch der Hauptausschuss des Deutschen Städtetages positioniert. Die Betroffenheit der Städte besteht unter anderem darin, dass Objekte aus der Sammlung von Portigon derzeit in verschiedenen kommunalen Einrichtungen gezeigt werden.

Sollten auch diese Werke veräußert werden, würden sie der öffentlichen Präsentation voraussichtlich entzogen. Während der Vorstand des Städtetages Nordrhein-Westfalen in seinem Beschluss vom 11.02.2015 zunächst ein geordnetes Verfahren des Umgangs mit der Portigon-Sammlung anmahnt und eine auf dem Marktwert von Kunst reduzierte Verfügbarkeit und Verwendung ausgeschlossen sehen will sowie es darüber hinaus ablehnt, einem Vorschlag von Portigon folgend, die zur Veräußerung vorgesehene Kunst kurzfristig in kommunalen Museen zu präsentieren, um dadurch Wertsteigerungen zu erzielen, hat sich der Hauptausschuss am 26.02.2015 wie nachfolgend dargestellt positioniert:

1.    Der Deutsche Städtetag fordert alle öffentlichen Eigentümer von Kunst und Kulturgütern auf, verantwortungsbewusst und angemessen mit den ihnen anvertrauten Kunstwerken und Objekten umzugehen. Kunst in öffentlichem Eigentum darf nicht auf ihren Marktwert reduziert oder zur beliebigen Verfügungsmasse werden.

2.    Mehr als 80 Prozent der Bestände in Kunstmuseen und Sammlungen sind Gaben von Stiftern und Mäzenen. Diese müssen sicher sein können, dass die verantwortlichen öffentlichen Stellen diese Objekte aus ideellen und nicht aus finanziellen Gründen übernehmen. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der öffentlichen Hände bei der Pflege und dem Erhalt überantworteter Kunst muss unbedingt erhalten werden.

3.    Eine Abgabe von Kunst und Kulturgut aus öffentlichen Museen und Sammlungen sollte unter Berücksichtigung der international akzeptierten ICOM-Standards erfolgen.

Bei diesem Beschluss hat er sich von weiteren Überlegungen leiten lassen, denn die geplanten und zum Teil bereits erfolgten Veräußerungen von Kunstgegenständen aus direktem oder indirektem öffentlichen Eigentum haben in ganz Deutschland zu einer polarisierenden Diskussion geführt.

Dabei treffen finanzwirtschaftliche und kulturpolitisch-konservatorische Aspekte aufeinander. Auch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien hat sich in die Debatte eingeschaltet und gefordert, die Kunstgegenstände als "national wertvolles Kulturgut" zu erklären und damit über den Kulturgutschutz einen Verkauf in das Ausland zu verhindern.

Die Schärfe, mit der die Diskussion geführt wird, ist vor dem Hintergrund internationaler Konventionen (ICOM-Standards) bemerkenswert. Diese sind zwar rechtlich nicht verbindlich, die öffentlichen Hände haben sich in der Vergangenheit im Wesentlichen an diese Regularien zur Abgabe von Kunst aus öffentlichen Sammlungen gehalten.

Trotz des erheblichen Medienechos ist eine differenzierte Herangehensweise angezeigt. Deshalb wird in Ziffer 1 des Beschlussvorschlages ein differenzierter und angemessener Umgang mit Kunst und Kulturgütern eingefordert und eine auf den Marktwert reduzierte Betrachtungsweise abgelehnt.

Für die kommunalen Museen und Sammlungen entsteht abgesehen vom Imageschaden und dem Verlust von Kunst im öffentlichen Eigentum möglicherweise ein weiterer noch größerer Schaden, wenn bedacht wird, welche Signale die öffentliche Hand durch diesen Umgang mit Kunst aussendet.

Mehr als 80 Prozent der Objekte in den Kunstmuseen und Sammlungen in Deutschland sind Gaben von Spendern und Mäzenen. Wenn diese nicht sicher sein können, dass Kunst im direkten oder indirekten öffentlichen Eigentum in guten Händen ist und geschützt wird, sondern im Zweifel für finanzwirtschaftliche Transaktionen verwendet wird, werden sie Zurückhaltung üben und wird Mäzenatentum in der Kultur deutlich zurück gehen. Dies wäre ein gravierender Verlust an kultureller Substanz und zivilgesellschaftlichem Engagement in der Kultur, den sich keine Stadt, keine kommunale Sammlung und Museum leisten könnte.

Deshalb ist mit Blick auf Mäzene und Stifter zu fordern, dass die Verfügbarkeit von Kunst im öffentlichen Eigentum nicht ausschließlich auf ihren Marktwert reduziert werden darf. Es sollten vielmehr die ICOM-Standards über die Abgabe von Kunst aus öffentlichem Besitz und die darauf basierenden Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes angewendet werden, die hierfür geregelte Verfahren vorsehen. Danach dürfen Kunstwerke und Objekte durchaus veräußert werden. Die Regularien sehen beispielsweise vor, dass die abzugebenden Kunstwerke vor-her Museen angeboten werden, deren Bedeutung im Gesamtzusammenhang gewürdigt und das Folgerecht beachtet wird.

Wenngleich einige der Verfahrensempfehlungen angesichts der Detailliertheit auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen sind, sollte sich das Verfahren mit zur Abgabe bestimmter Kunst grundsätzlich am Geist der vorliegenden Standards orientieren, um differenzierte und sachgerechte Lösungen mit Kunst im öffentlichen Eigentum zu gewährleisten.

Der Hauptausschuss des Deutschen Städtetages hat mit seinem Beschluss ein kulturpolitisches Zeichen in der aktuellen Debatte gesetzt.
 

ICOM-Standards: Ethische Richtlinien für Museen 
(PDF-Datei) Download (869 kB)

Leitfaden des Deutschen Museumsbundes zum Sammeln und Abgeben von Museumsgut  
(PDF-Datei) Download (570 kB)

Schwerpunkte

  • Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern Mehr
  • Kommunale Finanzlage und föderale Finanzbeziehungen Mehr
  • Verkehrsinfrastruktur und Luftreinhaltung Mehr

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